Schwimmschicht ade: Brottrunk in der Schweinemast

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Schwimmschicht ade: Brottrunk in der Schweinemast

In der Schweinemast sind alle Maßnahmen gefragt, die für eine stabile und gute Tiergesundheit sorgen, denn das ist ein wichtiger Baustein für Tierwohl und hohe Zunahmen. Der Landwirt Heinrich Große Liesner aus Stadtlohn im Nordwesten Nordrhein-Westfalens setzt auf Brottrunk. Was das ist und warum nicht nur die Schweine, sondern auch die Gülle davon profitieren, erzählt er im Gespräch.

Herr Liesner, wie sind Sie auf den Brottrunk gekommen?
Brottrunk kannte ich als Getränk aus dem Supermarkt. Ab und an trinke ich auch selber Brottrunk, nach starker körperlicher Arbeit tut er besonders gut. Doch Brottrunk für Schweine nutzen wir erst seit etwa 2,5 Jahren. Bis vor 3 Jahren haben wir das Futter selber gemischt, und bis vor 4 Jahren auch noch Nebenprodukte wie Süßmolke eingesetzt. Süßmolke ist für Schweine ein gutes Produkt, wenn man die Hygiene im Griff hat, damit bekommt man eine hohe Menge an Milchsäurebakterien und Milchsäure ins Tier. Diese Säure senkt den pH-Wert und Milchsäurebakterien helfen dem Mikrobiom, das Futter besser zu verwerten, außerdem werden pathogene Keime zurückgedrängt. Doch der Markt bei den flüssigen Nebenprodukten ist knapp geworden, Süßmolke gibt es so gar nicht mehr, deshalb fiel uns diese gute Milchsäurequelle weg. Dann haben wir wegen veralteter Technik das Lagern von eigenem Getreide aufgegeben, dadurch fiel eben auch das Selbstmischen des Futters weg. Bei den Schweinen bemerkten wir Probleme in der Vitalität und Schwanzbeißen trat vereinzelt auf. Das größte Problem allerdings war die schlechte Fließfähigkeit der Gülle. Wir hatten starke Schwimmschichten. Ein Berufskollege empfahl mir daraufhin Kanne Brottrunk, mit dem er gute Erfahrungen gemacht hatte. Das war der Grund auf Brottrunk umzustellen.

Wie setzen Sie ihn ein und in welcher Dosis?
Wir geben den Brottrunk bei unseren Mastschweinen ins Futter. Da wir eine Flüssigfütterung haben, können wir den Brottrunk einfach in die Ration mischen. Die Empfehlung ist 50 ml pro Tier und Tag, da halten wir uns in etwa dran. Kleine Schwankungen sind kein Problem, die Darmflora ändert sich nicht von einem Tag auf den anderen. Ich markiere jeden Tag den Füllstand im Tank und sehe daran, wieviel Brottrunk verbraucht wurde, ob also die Dosierung passt.

Nutzen Sie eine spezielle Technik für den Einsatz?
Der Brottrunk wird in einem 1000 l Tank geliefert und steht direkt bei der Flüssigfütterung. Den Tank habe ich an die Flüssigfütterung angeschlossen, so dass die Pumpe bei jeder Futtermischung auch immer etwas Brottrunk eindosiert. Wir nutzen eine Additivdosierung, der Brottrunk kann damit entweder direkt in die Leitung injiziert werden, dadurch könnte ich die Gabe abteilweise steuern, aber es geht auch direkt in den Mischbottich, und diese Variante nutzen wir. Der Computer berechnet die nötige Menge Brottrunk je kg bzw. t Fließfutter, die Pumpe läuft dann parallel zur Wasserpumpe eine bestimmte Anzahl von Sekunden pro Tonne mit. Das war einfach umzusetzen, wir haben nur ein Rührwerk von der Firma Kanne gekauft, das den Tank aufrührt. Wir nutzen das Fermentgetreide für die Fütterung, also die Vorstufe des gefilterten Brottrunks, da sind noch Feststoffe drin, die man aufrühren muss. Der reine Brottrunk enthält keine Feststoffe.

Welche Effekte beobachten Sie?
Rein subjektiv ist mein Eindruck, dass der Brottrunk bei unseren kritischen Punkten Vitalität, Schwanzbeißen und Schwimmschicht geholfen hat. Den Tieren geht es gut. Die Stallluft ist besser, die Ammoniakverluste aus der Gülle sind geringer geworden, das merken wir auch beim Ausbringen, es riecht weniger. Wir bringen die Gülle mit einem Schleppschlauch- oder Schleppschuh-Verteiler aus, das ist ja schon eine gute Technik, aber ich habe den Eindruck, dass der Brottrunk nochmal zusätzlich hilft. Hinsichtlich der Schwimmschicht hat sich auch viel gebessert: Wir können die Gülle in den Altgebäuden nicht spülen oder rühren, diese Technik kann ich auch nicht mehr einbauen, das wäre viel zu teuer. Früher trieb mir der Blick in die Vorgrube die Tränen in die Augen, weil der Ammoniakgehalt so hoch war. Wenn wir jetzt den Schieber ziehen, dann läuft die Gülle vollständig in die Vorgrube – und der Ammoniakgeruch ist deutlich zurückgegangen. Ganz nebenbei haben wir auch deutlich weniger Fliegen und Mäuse, da diese es sich auf den Schwimmschichten bequem machen.

Wie erklären Sie sich den positiven Effekt auf die Gülle bzw. die Schwimmschicht?
Üblicherweise macht sich in der Gülle eine Fäulnisflora breit. Diese Fäulnisflora wird zurückgedrängt. Man liest auch, dass Milchsäure den pH-Wert der Gülle um bis zu einer Stufe senkt, dadurch verhindert man die Ammoniakausgasung in die Luft. Deshalb liegt jetzt in der Gülle auch mehr Stickstoff als Ammonium gebunden vor und nicht als freies Ammoniak. Um die Gülle fließfähiger zu machen, wird das Schwergetreide Weizen und Roggen sehr grob vermahlen, so dass es keine erkennbaren Brösel mehr gibt, und die Gerste wird fein vermahlen. Diese Kombination hilft wohl auch bei der Schwimmschicht. Ich gehe davon aus, dass die Kombination aus Brottrunk und neuem Mahlgrad das Schwimmschichtproblem komplett gelöst hat.

Haben Sie konkrete Zahlen für die positiven Effekte?
Nein, das habe ich nicht. Ich habe nicht die Möglichkeit, innerhalb der Altersgruppen nur teilweise Brottrunk zu füttern. Vom Gefühl her ist es richtig was ich mache, ich kann es aber nicht an konkreten Parametern am Tier festmachen. Deutlich wird der positive Effekt an der Gülle. Alle sagen, dass wir eine super Stallluft haben trotz der alten Stallungen. Ich kenne viele Berufskollegen, die auch schon auf Brottrunk setzen. Manche verfüttern ihn, manche versprühen ihn im Stall. Das habe ich auch schon gemacht, auf die Tiere und die Buchtentrennwände, aber hier sind die Erfahrungen noch gering. Ich nutze dazu eine Rückenspritze mit Akku, man muss sie aber regelmäßig durchspülen, sonst setzt sie sich zu. Damit verbessert sich die Flora im Stall, auf die Gülle hat diese Menge aber keinen Einfluss, dafür ist die Menge zu gering.

Sind Sie generell alternativen Methoden gegenüber aufgeschlossen?
Ja, das bin ich. Seit einiger Zeit wirtschafte ich im regenerativen Ackerbau. Die Gülle bleibt auf den eigenen Flächen. Deshalb ist bei mir die Qualität der Gülle auch sehr wichtig, da diese Fäulnisbakterien aus der Schwimmschicht ansonsten in meinem Boden weiterarbeiten und mir die wertvolle organische Substanz zersetzen würden. Nach der Kaskadennutzung des Brottrunks – erst ins Schwein, dann über die Gülle auf den Boden – wird die Gülle bodenverträglicher. Zusätzlich setzen wir noch Gesteinsmehle wie Zeolith im Futter sowie das Tonmineral Bentonit sowie Pflanzenkohle in der Gülle ein.

Wie sieht die Zukunft für Ihren Betrieb aus?
Tatsächlich bin ich gerade dabei, einen Stallneubau zu planen. Es soll ein planbefestigter Stall mit Auslauf werden, damit sehe ich die beste Chance auf lange Sicht wirtschaftlich
zu arbeiten.
Schwierig ist eher die kurzfristige Wirtschaftlichkeit – das Marktsegment ist jetzt noch sehr klein. Der Verbraucherwunsch geht in diese Richtung, deshalb bietet solch eine Tierhaltung wohl auch langfristig die beste Zukunftsperspektive.
Herr Liesner, vielen Dank für das Gespräch!

Betriebsspiegel Heinrich Große Liesner:

• Schweinemast-, Ackerbau-, Forstwirtschaftsbetrieb
• 1.600 Schweinemastplätze
• Alte Gebäude mit Vollspaltenboden, Zwangsventilation und Flüssigfütterung
• 82 ha Ackerbau mit Mais, Raps, Weizen, Gerste und Roggen
• Bewirtschaftung des Hofes etwa im 800. Jahrhundert, 1498 erstmalig erwähnt, seit 1607 in Familienbesitz
• Im Durchschnitt 850 g tägliche Zunahme und 1:2,85 Futterverwertung

Was ist Brottrunk?
Kanne Bio Brottrunk® und Kanne Bio Fermentgetreide® flüssig werden aus fermentiertem Bio-Vollkornbrot hergestellt. Bei der Herstellung der Kanne Bio Brottrunk® Produkte werden hochwertige Zutaten verwendet. Während des aufwendigen Herstellungsverfahrens werden die Zutaten in mehreren Prozessschritten aufgeschlossen und in unterschiedlicher Menge Vitamine, Enzyme sowie Aromen gebildet.
Das Kanne Bio Fermentgetreide® flüssig beinhaltet die Maische aus fermentiertem Brot und die flüssige Komponente mit den wasserlöslichen Nährstoffen, Vitaminen, Enzymen, Aromen und der Milchsäure. Durch Filtration wird die Maische von der Flüssigkeit getrennt und es entsteht der Kanne Bio Brottrunk®.
Das Kanne Bio Fermentgetreide® flüssig und der Kanne Bio Brottrunk® sind fermentierte Einzelfuttermittel.

Quellangaben

Autorin: Dr. Heike Engels

Bild & Text aus "Der Hoftierarzt"

Original-Artikel: